Karteikarten sind meine Lieblingslernmethode

Karteikarten sind nicht Old School – Sinnvoll lernen mit Karteikarten

Wenn manche das Stichwort Karteikarten hören, dann werden sie sich denken: „Die habe ich zuletzt in der Grundschule benutzen müssen“. Obwohl es Karteikarten schon lange gibt, sind sie ein nicht zu unterschätzendes Werkzeug. Sie ermöglichen dir Gelerntes effizient in das Langzeitgedächtnis zu übertragen.

Der Professor John Dunlosky von der Kent State University in den USA hat viele Studien, Papiere und Artikel über das Thema „Lernmethoden“ bearbeitet. Er kam bei seiner Zusammenfassung zur Erkenntnis, dass viele weitverbreitete Lerntechniken schlichtweg unproduktiv sind.

Zum Beispiel schnitt das Markieren und Unterstreichen von Texten schlecht ab. Auch das erneute Lesen eines bereits bearbeiteten Textes wurde als ineffizient bezeichnet. Diese beiden Techniken sind nicht nur schlecht um sein Wissen zu erweitern, sondern sind auch zeitaufwändig. Du solltest daher besser zu den produktiveren Methoden wechseln.

Die zwei nach Professor John Dunlosky besten Methoden möchte ich dir folgend vorstellen:

  • Verteiltes Üben
  • Übungstests

Ein gutes Mittel um diese beiden Methoden zu kombinieren, sind Karteikarten. Sie erlauben das zeitversetzte und flexible Lernen. Außerdem fordern sie das aktive Abrufen von Wissen, was dem Grundgedanken von Übungstest entspricht.

Wann sollten Karteikarten eingesetzt werden?

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Karteikarten nur zum Lernen von Vokabeln dienen. Meiner Meinung nach sind Karteikarten auch die beste Möglichkeit komplexere Sachverhalte zu lernen. Zuerst solltes du die Konzepte verstehen. Nach dem erstmaligen Verstehen helfen die Karten die Konzepte zu verinnerlichen und auch Details zu lernen.

Durch die Beantwortung der Fragen auf der Vorderseite der Karteikarte wird dein Wissen viel besser abgefragt und gespeichert, als wenn du die Konzepte nochmals und nochmals liest.

Das Arbeiten mit Karteikarten ist anfänglich mit viel Aufwand verbunden. Meist müssen sie erst erstellt werden. Auch das Abfragen der Karteikarten verlangt viel Disziplin. Es ist einfach anstrengender als das wiederholte passive Lesen eines Textes; allerdings auch weitaus lohnender und langfristig effizienter.

Wie schreibe ich Karteikarten?

Mit Karteikarten kannst du auch kompliziertere Zusammenhänge lernen. Am besten fragst du dich:

Was würde ein Prüfer, Lehrer oder Dozent für Fragen stellen?

Dann notierst du die Fragen auf der Vorderseite. Ich empfehle verschiedene Farben für unterschiedliche Themengebiete zu verwenden. Auf der Vorderseite sollten nicht mehr als zwei Fragen sein, sonst wird es zu viel auf der Rückseite. Schreibe lieber mehrere Karten. Auf der Rückseite schreibst du die Antworten zu den Fragen.

Scheue dich nicht auch Skizzen, Diagramme und Zeichnungen zu verwenden, wenn du kannst. Das hilft dir die Konzepte besser einzuprägen. Nichts ist schwieriger zu lernen als eine vollgestopfte und kleingeschriebene Karteikarte ohne Struktur. Dieses Problem hatte ich oft am Anfang beim Lernen mit Karteikarten.

Ich empfehle dir, die Karten selbst zu erstellen. Es gibt einige Anbieter von fertigen Karteikarten. Diese haben allerdings den Nachteil, dass sie das Lernthema meist nicht genau genug abbilden können.

Eine Ausnahme stellen für mich Vokabel-Karteikarten dar. Es würde viel zu lange dauern seinen Wortschatz aufzubauen. Verwende die gesparte Zeit besser mit dem Üben selbst.

Durch das Erstellen der Karten wird bereits gelernt, da du dich durch die Formulierung der Frage intensiv mit der Thematik beschäftigen musst. Nur wenn du die Inhalte verstanden hast, dann kannst du gute Fragen stellen und die passenden Antworten dazu finden.

Ein einfaches Karteikartensystem

Einfach schlägt kompliziert!

Hier möchte ich dir nun ein einfaches und schnelles System zeigen, um mit dem Lernen mit Karteikarten beginnen zu können.

Bei einem Karteikartensystem werden als Erstes die Karten erstellt.

Die Karten befinden sich am Anfang in der vordersten Abteilung eines Karteikastens. Nun versuchst du die Karten zu beantworten. Wenn die Karte richtig beantwortet werden konnte, dann solltest du sie auf einen vom Kasten-System getrennten Wiederholungsstapel legen.

Nach dem Durchgehen der ersten Karten, wird anschließend ein weiteres Mal probiert die Karteikarten zu beantworten. Sind Antworten ein zweites Mal korrekt, dann wandert die Karte in das zweite Fach. Kann die Frage auf der Karteikarte nicht beantwortet werden, wird die Karte wieder in das erste Fach gelegt.

Täglich nimmst du dir nun vor z.B. 10 Karten aus der ersten Reihe zu beantworten. Wenn die Antworten richtig sind, legst du sie auf deinen separaten Wiederholungsstapel. Durch eine korrekte Antwort beim Vertiefungsdurchgang kannst du sie in das zweite Fach legen. War die Antwort falsch, dann muss die Karte wieder in die erste Reihe.

Für die restlichen Reihen, kannst du dir Zeitintervalle festlegen. Die zweite Reihe wird z.B. nur alle 2 Tage beantwortet. Die dritte Reihe nur alle 5 Tage; die Vierte alle 14 Tage. Die Karten bleiben so lange im System, bis sie wirklich langfristig sitzen.

Wurden die Karten der letzten Abteilung richtig beantwortet, dann kommen sie aus dem Karteikastensystem heraus.

Ich empfehle für ein optimales Langzeitgedächtnis die aus dem System genommenen Karten nochmals nach 30 Tagen und nochmal nach 3 Monaten durchzugehen.

Die Vergessenskurve

Bestimmt hast du schon einmal von der Vergessenskurve bzw. Ebbinghaus-Kurve gehört. Hermann Ebbinghaus entdeckte sie 1885. Das Vergessen von neuem Wissen geht schnell. Dies ist in dem nachfolgenden Bild zu erkennen.

Vergessenskurve von Ebbinghaus

Das Grundproblem vom kurzfristigen Lernen vor Prüfungen ist aus der dargestellten Kurve ersichtlich. Man ist tatsächlich in der Lage mit großer Mühe und großem Stress die Informationen ins unmittelbare Kurzzeitgedächtnis zu bringen.

Das Vergessen ist keine linear sondern exponentiell. In den ersten paar Minuten und Stunden nach dem Lernen wird bei fehlender Wiederholung das Wissen schnell wieder verloren gehen. Die Information ist bereits nach 20 Minuten nur noch zu rund 60% abrufbar. Nach 4 Stunden nur noch zu 40%. Daher ist das schnelle Lernen vor Prüfungen weniger geeignet; man vergisst das meiste schnell wieder.

Glücklicherweise gibt es weitaus effektivere Methoden, die auch langfristig dem Wissenserhalt dienen, wie zum Beispiel das Lernen mit Karteikarten.

Das Karteikartensystem nutzt das Wiederholen der Karten um das Vergessen einzudämmen. Es werden immer die Karten wiederholt, die noch nicht richtig sitzen.

Auch die festgelegten Zeitintervalle sind sehr wirkungsvoll. Bereits Gelerntes wird dann wiederholt, wenn es bald wieder vergessen wird. Du frischt durch wiederholen das Gelernte auf und die Vergessenskurve beginnt wieder oben bei 100%. Je öfter die Antworten einer Karte gewusst wurden, desto länger brauchst du sie dir nicht wieder vornehmen und sparst so Unmengen an Zeit.

Empfohlene Karteikästen und Programme

Es gibt neben den Old School-Karteikästen auch Programme wie z.B. Anki. Das Programm kannst du dir unter http://ankisrs.net/ kostenlos herunterladen. Ein Vorteil der Software ist der Wiedervorlagealgorithmus. Dieser steuert ganz automatisch das Zeitintervall zum Wiederholen der Karte.

Ich verwende allerdings einen „altmodischen“ Karteikasten, den ich auf Amazon gefunden habe (Link zum Karteikasten). Außerdem verwende ich linierte Karteikarten in DIN A7 (Link zur den Karteikarten) im 800er-Pack. Mir ist es einfach lieber, die Karten mit der Hand zu schreiben.

Probiere die beiden Arten des Karteikarten-Lernens aus und verwende die, die dir am meisten zusagt.

Zusammenfassende Bewertung

Die Vorteile der Methode

  • Flexible Einteilung der Lerneinheiten
  • Das Lernen beschränkt sich auf Wissenslücken
  • Karteikarten fördern die aktive Wissenabfrage
  • Das Gelernte bleibt durch optimale Wiederholungsintervalle lange erhalten
  • Motivationsschub, da der Kasten bzw. das Programm den Fortschritt anzeigt

Die Nachteile der Methode

  • Ein Karteikasten ist etwas unhandlich und schwer transportierbar (allerdings können einzelne Karten leicht für unterwegs mitgenommen werden)
  • Anstrengender als Markieren/Unterstreichen/wiederholtes Lesen der Texte
  • Zeitaufwändige Kartenerstellung
  • Eine gute Frageformulierung erfordert etwas Übung

Fazit

Ich hoffe das angestaubte Image der Karteikarten mit diesem Artikel ein bisschen verbessert zu haben. Zu Karteikarten hat fast jeder seine eigene – und meist starke – Meinung. Einige lieben sie – die anderen hassen sie.

Wie stehst du zu dem Thema Karteikarten? Schreibe in die Kommentare, wie du mit Karteikarten lernst und stelle dein System vor.

Abschließend noch eine Frage: Findest du Karteikarten schrecklich, oder bist du ein echter Fan von ihnen?

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