Langzeitgedächtnis stark verbessern und Funktionsweise

Das Langzeitgedächtnis ist sozusagen der Endgegner. Alles was du lernst soll am Ende hier gespeichert werden. Um das zu erreichen müssen viele Voraussetzungen erfüllt sein. In diesem Artikel erfährst du wie das Langzeitgedächtnis aufgebaut ist und wie du es langfristig verbessern kannst. Nichts schlägt ein gesundes und leistungsfähiges Langzeitgedächtnis.

Was ist eigentlich das Langzeitgedächtnis?

Das Langzeitgedächtnis ist kein spezifischer Bereich des Gehirns. Du kannst es dir vielmehr so vorstellen, dass das gesamte Gehirn als Speicherplatz dient.

Langzeitgedächtnis - Ganzer Cortex

Der ganze Cortex wird also zur Speicherung der Informationen verwendet. Aber wie lange sind diese Informationen gespeichert?

Speicherzeit

Über die maximal mögliche Speicherzeit im Langzeitgedächtnis ist noch nicht viel bekannt. Informationen können von einem Tag bis ein Leben lang im Kopf archiviert werden. Die Wissenschaft ist sich noch nicht im Klaren, ob es eine natürliche Begrenzung gibt.

Speicherkapazität

Ebenso wenig ist über die Speicherkapazität bekannt. Manche Forscher vermuten, dass das Gehirn eine immens große Speicherkapazität hat, aber die Menschen nur einen kleinen Bruchteil davon nutzen. Bei Hochbegabten wurde eine höhere Nutzung nachgewiesen.

Wo liegt die Grenze zum Kurzzeitgedächtnis?

Eine klare Grenze lässt sich hier nicht ziehen. Jedes Gehirn ist anders. Vom Kurzzeitgedächtnis spricht man aber meistens, wenn es um kurzfristige Informationsspeicherung geht, die bis zu einem Tag wiedergegeben werden kann. Das Langzeitgedächtnis speichert Informationen, die von einem Tag bis lebenslänglich abrufbar sind.

Ob überhaupt eine Trennung der beiden existiert ist noch ungewiss. Manche Wissenschaftler denken, dass das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis eine Einheit sind und nur die Informationen besser und schneller abgerufen werden können.

Andere meinen, dass es schon eine Trennung gibt. Als Argument werden häufig Krankheitsfälle verwendet. Die Patienten haben das Kurzzeitgedächtnis verloren, aber das Langzeitgedächtnis funktioniert prima. So können sich die Patienten an die Namen der eigenen Eltern erinnern, vergessen aber in kurzer Zeit, was sie zum Beispiel vor einer Stunde gegessen haben.

Aufteilung des Langzeitgedächtnisses

Deklaratives Gedächtnis (Wissensgedächtnis)

Das deklarative Gedächtnis wird noch weiter aufgeteilt in das episodische und das semantische Gedächtnis.

Episodisches Gedächtnis

Im episodischen Gedächtnis werden Ereignisse aus dem eigenen Leben abgespeichert. Zum Beispiel werden hier die Erinnerungen an den letzten Sommerurlaub abgespeichert, oder wie die eigenen Geschwister aussehen und ihre Namen.

Semantisches Gedächtnis

Im semantischen Gedächtnis speichern wir Informationen, die nichts mit uns selbst zu tun haben. Das können beispielsweise Vokabeln sein, oder Fakten. Hierunter fällt zum Beispiel auch die Antwort auf die Frage: „Was ist die Hauptstadt von Deutschland?“ – die Antwort ist ein klarer Fakt.

Prozessuales Gedächtnis

Hier ist der Speicherplatz für automatisierte Handlungen, wie das Gitarre spielen, Radfahren, Gehen oder Schreiben. Alle komplizierten motorischen Fähigkeiten werden im prozessualen Gedächtnis endgültig abgespeichert. Die Abläufe dieser Fertigkeiten wurden lange geübt und einstudiert. Es gibt niemanden, der gesund ist und das Gehen verlernt.

Vier Prozesse

Der Übertrag von neuen Informationen in das Langzeitgedächtnis hat vier Prozessschritte.

  • Lernen
  • Abrufen und Erinnern
  • Konsolidieren
  • Vergessen

Lernen: Ganz am Anfang steht das Lernen von vollkommen neuen Informationen. Das kann durch die unterschiedlichsten Lernmethoden und –techniken erfolgen, wie auch auf natürliche Weise.

Abrufen und Erinnern: Hier werden die gelernten Informationen abgerufen. Das Abrufen lässt sich in Erkennen und in den freien Abruf einteilen. Es fällt einem leichter, sich an etwas zu erinnern, wenn es einem gezeigt wird (Erkennen). Wenn du etwas völlig frei wiedergeben sollst, dann ist das für das Gedächtnis mit mehr Aufwand verbunden.

Diagramm Aufwand Langzeitgedächtnis

Konsolidieren: Durch regelmäßiges Wiederholen und Abrufen wird das Wissen gefestigt und besser im Langzeitgedächtnis verankert. Die Konsolidierung findet nach dem Lernen statt.

Vergessen: Über das Vergessen habe ich in dem Artikel über Karteikarten geschrieben. Das Langzeitgedächtnis wirft laufend irrelevante Informationen aus dem Speicher. Um dem entgegen zu wirken sollte das Gelernte in bestimmten Zeitabschnitten wiederholt werden. So kannst du die Vergessenskurve (von Ebbinghaus) „besiegen“.

Und nun zu den Tipps, wie du dein Langzeitgedächtnis enorm verbessern kannst!

6 Tipps für ein gutes Langzeitgedächtnis

Für Relevanz sorgen

Das Gehirn möchte keine irrelevanten Informationen abspeichern. Es wert sich sozusagen :D. Du kannst dein Gehirn aber überlisten, indem du die Informationen „wichtiger machst“.

Wenn du neues Wissen in unterschiedlichen Sinneskanälen aufnimmst, formt sich eine relevantere Erfahrung.

Auch Assoziationen sind hervorragend geeignet, um für die nötige Relevanz zu sorgen.

Aufgrund der Relevanz werden auch eigene Erlebnisse (z.B. dein erster Kuss) viel leichter gespeichert, als eher „nice-to-have“-Faktenwissen, wie zum Bespiel das unsere Nasen und Ohren nicht aufhören zu wachsen ;-).

Obwohl – das war ja gerade eine Assoziation. Du hast dir beim Lesen bestimmt eine Nase und ein Ohr vorgestellt. 😀

Mit all diesen Tipps kannst du für mehr „Gehirn-Relevanz“ sorgen.

Wiederhole häufig

Das Vergessen trifft jedem. Hier gilt es, das Vergessen einzudämmen. Mit einem ausgeklügelten Wiederholungssystem kann das Wissen wieder aufgefrischt werden.

So kann man viele Informationen gespeichert halten, die man sonst wieder vergessen hätte.

Da man das Wissen bereits einmal gelernt hat, ist das Wiederholen nicht mehr so anstrengend.

Durch häufiges Wiederholen denkt dein Gehirn: „Wenn ich die Information wirklich so oft abfragen muss, dann speichere ich sie lieber ab!“ 😉

In meinem Artikel über Karteikarten findest du mehr Tipps hierzu.

Dein Gehirn liebt Struktur

Um das Gelernte richtig einzuordnen, ist eine Struktur erforderlich. Deshalb solltest du nicht nur die Details auswendig lernen, sondern die Informationen immer im Gesamtzusammenhang sehen. Schreibe zum Beispiel auf deine Karteikarten immer das Themengebiet auf.

Mir persönlich hilft es, immer nach einem Karteikartendurchgang die Lernunterlagen zu überfliegen. So erhalte ich wieder einen Überblick. Auch das Inhaltsverzeichnis ist ein lieb gewonnener Freund. Hier lässt sich die grobe Struktur besonders leicht erkennen.

Guter Schlaf

Wie du in meinen Artikel über die Wichtigkeit des Schlafens für das Lernen lesen kannst, werden die aufgenommenen Informationen hauptsächlich in verschiedene Schlafphasen konsolidiert (verarbeitet).

Hier findet die Überleitung vom Kurzzeitgedächtnis (Hippocampus) in die Großhirnrinde (gesamter Cortex) statt. Das Wissen wird gewissermaßen durch ein „Sieb“ (Filter für Relevanz) in das Langzeitgedächtnis geschüttet.

Bei einem Schlafdefizit oder geringer Schlafqualität leidet die Wissensverarbeitung und kann nicht optimal arbeiten.

In meinem Schlaf-Artikel findest du zahlreiche Tipps, wie du besser schlafen kannst. Die Tipps sind wirklich Gold wert; glaub mir.

Koffein nach dem Lernen

Auch durch Koffein lässt sich die Wissensspeicherung verbessern. Forscher haben herausgefunden, dass 200 mg Koffein nach dem Lernen das Gedächtnis verbessern kann. Näheres findest du in diesem Artikel über Koffein.

Meditation für bessere graue Zellen

Wissenschaftler habe die Auswirkungen von Meditation auf das Gehirn untersucht und erstaunliches entdeckt.

Die Probanden, die regelmäßig meditiert haben, waren weniger gestresst, glücklicher und konnten dadurch auch besser lernen.

Die Veränderung der Gehirnaktivität ist erst nach der Einführung von der Meditation eingetreten.

Somit können auch Erwachsene immer etwas für die Gesundheit des eigenen Gehirns tun.

Kreatin ist Treibstoff für dein Gehirn

Kreatin? Das nehmen doch Kraftsportler!

Ja, das stimmt, aber durch Kreatin werden nicht nur deine Muskeln mit Energie versorgt, sondern auch dein Gehirn. Das Gehirn ist der Hauptenergieverbraucher in deinem Körper.

Das Kreatin wird in deinem Körper in ATP (Adenosin-Triphosphat) umgewandelt. Dieser Treibstoff ist ideal um Kraft für deine Muskel zu entwickeln, aber auch dein Oberstübchen mit ausreichend Energie zu versorgen.

Fazit

Ich hoffe ich habe dir einen ganz guten Überblick über das Langzeitgedächtnis geben können. Schon allein das Wissen, wie Informationen in das Langzeitgedächtnis kommen, ist beim Lernen sehr hilfreich. So kann man seine Techniken entsprechend anpassen und optimale Rahmenbedingungen schaffen.

Abschließen würde mich noch folgendes interessieren:

Welche Tipps findest du gut/schlecht? Hast du schon welche umgesetzt? Wie stehst du zum Thema Gehirntraining? Hast du generell ein gutes Langzeitgedächtnis?

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