Mark-Aurel-Stoizismus

Stoizismus für mehr Leben und Sinn

Dieser Artikel wird ein besonderer und liegt mir sehr am Herzen, denn ich denke, dass du durch das Konzept des Stoizismus stark profitieren kannst. Ich hoffe ich kann dir deine Vorurteile gegenüber dieser Philosophie nehmen und die Vorteile hervorheben.

Am Anfang werde ich dir die Grundzüge vorstellen, später komme ich zu einigen praktischen Lebenstipps aus dem Hause des Stoizismus. Also sei gespannt!

Wahrscheinlich denkst du bei einem Stoa an eine Person, die einfach alles Schlechte passiv hinnimmt und die schlimmsten Zustände einfach aushält. Eine Person, die diese Umstände akzeptiert und die diese Umstände nicht ändern möchte. Dabei verursacht Stoizismus immer einen eher negativen Gedanken; in etwa Verzicht oder Passivität.

Aber weit gefehlt!

Stoizismus ist eine wirklich „praktische“ Philosophie. Auch wenn du erstmal vom Wort „Philosophie“ etwas abgeschreckt wirst: Diese Philosophie ist durchaus im täglichen Leben anwendbar und wurde auch so entwickelt.

Was bringt einem eine Philosophie, wenn diese nur im Kopf ist und der Alltag sich nicht verändert?

Vorteile des Stoizismus

Der Stoizismus ist eine Philosophie, die klare Ansagen macht. Sie gibt praktische Handlungsempfehlungen für fast jede Lebenslage. Deshalb finde ich den Stoizismus so hervorragend. Kein theoretisches Geschwafel, sondern richtige Lebenshilfe und Unterstützung!

Stoizismus beschäftigt sich damit, wie du ein glückliches Leben erreichen kannst und gibt dir verschiedene Techniken in die Hand.

So wirst du durch Stoizismus indifferent gegenüber negativen Emotionen, glücklicher und weist dein Hab und Gut mehr zu schätzen.

Stoizismus gibt dir innere Ruhe und vertreibt Gefühle wie Ärger, Wut und Angst, welche hinderlich sind und meist keinen Mehrwert liefern.

Außerdem lernst du, wie du dich auf die Sachen konzentrieren kannst, die du wirklich beeinflussen kannst.

Mit dieser Philosophie trittst du einen Schritt zurück und analysierst die Negativität. So erkennst du, dass sie keinen Sinn stiftet.

In diesem Artikel möchte ich dir diese geniale Lebensphilosophie näher bringen. Mir persönlich hat der Stoizismus sehr geholfen. Ich bin nicht mehr leicht zu verärgern und schätze das mehr, was ich bereits habe.

Durch diese Philosophie habe ich gemerkt, was wirklich wichtig im Leben ist.

Jedes Leben hat ein Ende!

Nutze deswegen deine begrenzte Zeit!

Mir wird durch das Lesen von stoischen Texten immer bewusst, wie „mickrig“ die Alltagsprobleme eigentlich sind. Ich denke in verärgernden Situationen regelmäßig: „Mir geht es eigentlich trotzde sehr gut und es könnte weitaus schlimmer sein.“

Das alles habe ich durch diverse Techniken und Prinzipien des Stoizismus erreichen können.

Damit auch du profitieren kannst, gebe ich dir einen kurzen Einblick, was diese Philosophie auszeichnet und wie du am besten anfangen kannst.

Was ist Stoizismus?

Ich möchte dir hier an dieser Stelle keine Geschichtsstunde geben. Für weiterführende Informationen empfehle ich, dir meine Buchempfehlungen anzusehen. Als Einstieg kann ich das Buch „A Guide To The Good Life“ von William B. Irvine empfehlen (siehe Buchempfehlungen). Damit bist du für weitere stoische Lektüre bestens gerüstet.

Ich erzähle dir hier aber trotzdem kurz, woher der Stoizismus kommt. So kannst du diese Philosophie besser einordnen.

Wie so viele Philosophien setzt sich Stoizismus aus mehreren Bausteinen zusammen. Die beiden Bereich Logik und Physik sind wichtig, aber ich beschränke mich hier eher auf die psychologischen und ethischen Aspekte vom Stoizismus. Das sind auch die Dinge, die dir in deinem Leben am meisten bringen werden. Die anderen Bereiche sind eher etwas in die Jahre gekommen. 😉

In der Geschichte lässt sich der Stoizismus in eine Frühphase, Mittelphase und in eine Spätphase einteilen. Die Philosophie wurde ursprünglich von Zenon von Kition gegründet.

Von den ersten beiden Phasen sind meines Wissens nach keine Texte überliefert. Deshalb beschränke ich mich auf die Spätphase. Diese ist geprägt von großartigen Menschen: Seneca, Epiktet und Mark Aurel.

Du wirst dich vielleicht wundern, was diese Leute so besonders macht.

Nun, Seneca war so etwas wie ein antiker Investmentbanker und einer der einflussreichsten Römer seiner Zeit. Er beriet Nero (der für deine grausamen Taten bekannt wurde) und wurde von ihm sogar zum Selbstmord gezwungen. (Seneca ist mein Favorit, denn sie beinhalten wirklich ganz klare Handlungsempfehlungen)

Epiktet war ein Sklave und kam so nach Rom. Er lehrte dort bis in sein Lebensende in einer Philosophenschule.

Mark Aurel war ein berühmter römischer Kaiser, der ein stabiles römisches Reich aufbaute (sehr schwierig zu der Zeit).

Diese drei Männer sind wahrscheinlich nicht die Personen, die du dir als typisch stoisch vorstellst. Aber sie haben einige großartige Werke geschrieben; mit wirklich praktischen Techniken und Prinzipien.

Da du nun einige Hintergrundinformationen hast, komme ich gleich zu den praktischen Dingen. Das wird dich vermutlich am stärksten interessieren.

Stoische Techniken, die dein Leben verbessern werden

Unterscheide, was in deiner Kontrolle ist und was nicht

Ein stoisches Prinzip ist die Konzentration auf das, was du direkt beeinflussen kannst. Stoa sind nicht – wie meist angenommen – passive Leute. Ganz im Gegenteil. Unter ihnen war zum Beispiel Mark Aurel, der wie du bereits weißt, ein ganzes Kaiserreich führte. Diese Leute waren aktiv. Aber sie konzentrierten sich alle auf das, was in ihren Händen lag und akzeptierten das, was sie nicht beeinflussen konnten.

Was solltest du für dich mitnehmen?

Versuche dich auf die direkt beeinflussbaren Faktoren zu fokussieren. Das sind beispielsweise deine Träume, Ziele, Reaktionen und deine Gedanken.

Wenn du etwas gar nicht beeinflussen kannst, dann nimm es hin. Grübeln und Nachdenken über diese Sachen ist verschwendete Zeit. Akzeptiere die Dinge und konzentriere dich lieber auf die kontrollierbaren Sachen.

Dann gibt es noch die Dinge, die du ein bisschen beeinflussen kannst. Ich möchte das am Beispiel Fußballspielen erklären.

Hier kannst du z.B. Tag und Nacht üben, um im Spiel besser zu werden. Aber es liegen nicht alle Faktoren in deiner Hand. Hinzu kommen z.B. deine Tagesform, die Form der gegnerischen Mannschaft, die Form deiner Mannschaft, das Wetter und deine persönlichen Umstände. All diese Dinge kannst du nicht beeinflussen.

Solltest du dann nicht mehr trainieren, da du nicht alles beeinflussen kannst?

Nein, absolut nicht!

Du solltest lediglich dein Ziel anpassen. Das Ziel sollte nicht sein, einfach das Spiel zu gewinnen. Es sollte sein, dass du dein Bestes gibst! So bleibst du von den negativen Gefühlen weitgehend unberührt.

Ein Sieg ist aber natürlich trotzdem sehr schön, aber auch bei einer absolut überlegenen Mannschaft sollte man möglichst seine Höchstform bringen. Dadurch wird man immer besser.

Negative Visualisierung

Die nachfolgende Technik wird von den Stoa nicht andauernd durchgeführt, sondern z.B. in einer Morgenroutine, oder du gewöhnst dir vielleicht an, jeden Mittag diese Übung zu machen. Dadurch wirst du nicht pessimistisch durch das Leben gehen.

Die negative Visualisierung wird so durchgeführt: Du stellst dir vor, dass dir das Schlimmste passiert, das du dir vorstellen kannst. Dein eigener Tod, der Tod deiner Mitmenschen, Krankheit, oder Armut. Sei kreativ…

Durch die regelmäßige negative Visualisierung weißt du das mehr zu schätzen, was du hast (deine Gesundheit, Geld, usw.). Meist bemerkst du erst, wie wichtig etwas für dich war, wenn es weg ist (z.B. Tod eines Verwandten).

Wenn du die Visualisierungsübung machst, dann wirst du im Jetzt etwas unternehmen. Du wirst deine Zeit besser nutzen, den alles ist vergänglich (auch ich und du).

Gib den Nebensächlichkeiten nicht zu viel deiner Zeit. Achte auf das, was dir persönlich wichtig ist. Hier ein Lieblingszitat von mir:

„Einen wichtigen Punkt solltest du im Auge behalten: Der Wert der Aufmerksamkeit variiert im Verhältnis zu seinem Zweck. Du bist besser dran, den kleinen Dingen nicht mehr Zeit zu geben, als sie es verdienen.“ – Mark Aurel

In deinen letzten Lebensminuten wirst du dich vermutlich nicht darüber ärgern, nicht mehr ferngesehen zu haben. Hier denkt man an das, was einem wichtig ist. Diese Erkenntnis kannst du durch das negative Visualisieren üben und wirst danach viel glücklicher, denn du hast noch Zeit.

Unnötiger Konsum

Durch unnötigen Konsum wirst du auch nicht glücklicher. Stell dir beim Visualisieren vor, dass du deine gesamten Besitztümer verloren hast.

Aber ist das nicht viel zu pessimistisch?

Stoizismus ist nicht immer pessimistisch, aber die periodische Übung in negativen Visualisierung hat durchaus ihre Vorteile. Sie dient der Vorbereitung auf mögliche schlechte Zukunfts-Szenarien. So wirst du dann nicht so stark von deinen negativen Emotionen geleitet, wenn die Dinge nicht so laufen, wie du es dir vorstellst. Du bist quasi vorbereitet und mehr indifferent.

Nach der negativen Visualisierung bin ich immer erleichtert. Die aktuelle Situation könnte nämlich viel schlimmer sein! So bin ich dankbar, dass der „worst case“ nicht eingetroffen ist, aber ich bin für ihn mental vorbereitet.

Wie oben geschrieben, wird diese Übung nicht permanent angewandt. So kannst du trotzdem dein Leben genießen. Und zwar durchaus optimistisch. 😀

Lebe, wie wenn das Schlimmste bereits eingetreten ist

Diese Technik stammt von Seneca. Nach Seneca, sollte jeder in regelmäßigen Abständen so leben, wie wenn die schlimmsten Ereignisse bereits eingetreten sind.

Du sollst – so Seneca – in einer gewissen Zeit beispielsweise nur noch wenig essen und die billigste und älteste Kleidung tragen. Auf einem harten Bett schlafen und die Heizung stark zurückdrehen. Außerdem auf Unterhaltung verzichten und nur noch mit kalten Wasser waschen.

Durch die kurze Periode der Armut, wird dir klar, dass du auch dann noch glücklich leben kannst. So schätzt du die Dinge mehr, die du bereits hast. Ein gutes Leben ist auch ohne jeglichen Luxus möglich.

Neben dieser regelmäßigen Perioden der Armut, solltest du auch hin und wieder Vergnügen unterdrücken. Verweigere dir manchmal bestimmte Annehmlichkeiten. So steigt deine Dankbarkeit für diese Dinge stark an.

Ich sage manchmal Nein zu Süßigkeiten, obwohl diese in meine Kalorienbilanz passen und mir schmecken würden. Durch das Einschränken der „Vergnügen“ weißt ich diese Dinge mehr zu schätzen, wenn ich sie doch habe.

Das heißt, nicht nur im Zölibat zu leben. Gönn dir ruhig etwas, aber nicht am laufenden Band.

Hierzu hat es Mark Aurel auf den Punkt gebracht:

Denke lieber an das, was du hast, als an das, was dir fehlt! Suche von den Dingen, die du hast, die besten aus und bedenke dann, wie eifrig du nach ihnen gesucht haben würdest, wenn du sie nicht hättest. – Mark Aurel

Ein weiterer Pluspunkt dieser Stoizismus-Übung: Neben der Dankbarkeit verbessern sich deine Selbstdisziplin und Willenskraft. Das hilft dir in jeglichen Lebenslagen, glaub mir.

Versagen gehört zum Leben

Ein gutes Leben ist auch nach dem Versagen möglich. Oft sieht es in dem Moment nicht danach aus, aber aus allen Fehlern kannst du lernen und stärker hervorgehen.

Ohne Versagen gibt es auch kein Wachstum. Arbeitest du an schwere Aufgaben, dann ist es ganz normal manchmal zu versagen. Wer immer nur in seiner Komfortzone bleibt, wird niemals wachsen.

Daher empfiehlt es sich, regelmäßig das Versagen zu „üben“ und zu „simulieren“ (Perioden der Armut). Du wirst merken, dass es nicht so schlimm ist, wie du es dir vorstellt.

Bitte nimm das hier mit: Deine Zeit ist kostbar und vergeht viel zu schnell. Sei dir das so oft wie möglich bewusst. Genieße dein Leben und schenke deine Zeit den Dingen, die wirklich wichtig sind.

Hierzu ein weiteres Lieblingszitat von Mark Aurel, was mir immer vor Augen führt wie „klein“ man im Universum eigentlich ist:

Blicke oft zu den Sternen empor – als wandelst du mit ihnen. Solche Gedanken reinigen die Seele von dem Schmutz des Erdenlebens. – Mark Aurel

Stoizismus hilft gegen das Aufschieben

Die negative Visualisierung zeigt dir, was wirklich wichtig ist. Widme dich mehr den Dingen und schiebe sie nicht auf. Vielleicht wirst du es nie wieder nachholen können, denn die Lebenszeit vergeht wie im Flug. Auch deine täglichen Gewohnheiten solltest du überdenken. Mit  Stoizismus vermeidest du so das Aufschieben.

Hierzu meine Lieblingspassage aus den „Meditations“ von Mark Aurel in der englischen Version, da mir diese Übersetzung wesentlich besser gefällt, als die deutsche (du wirst mir zustimmen, wenn du die anstrengende deutsche Übersetzung liest, ist aber Geschmackssache):

“At dawn, when you have trouble getting out of bed, tell yourself: ‘I have to go to work—as a human being. What do I have to complain of, if I’m going to do what I was born for—the things I was brought into the world to do? Or is this what I was created for? To huddle under the blankets and stay warm?

—But it’s nicer here…

So you were born to feel ‘nice’? Instead of doings things and experiencing them? Don’t you see the plants, the birds, the ants and spiders and bees going about their individual tasks, putting the world in order, as best they can? And you’re not willing to do your job as a human being? Why aren’t you running to do what your nature demands?

—But we have to sleep sometime…

Agreed. But nature set a limit on that—as it did on eating and drinking. And you’re over the limit. You’ve had more than enough of that. But not of working. There you’re still below your quota. You don’t love yourself enough. Or you’d love your nature too, and what it demands of you. People who love what they do wear themselves down doing it, they even forget to wash or eat. Do you have less respect for your own nature than the engraver does for engraving, the dancer for dance, the miser for money or the social climber for status? When they’re really possessed by what they do, they’d rather stop eating and sleeping than give up practicing their arts.”

— Mark Aurel

So hat Mark Aurel mit sich selbst gesprochen, um morgens aus dem Bett zu kommen und den wichtigen Dingen nachzugehen.

Wie du siehst, hatte auch ein großer römischer Kaiser seine Probleme mit dem Aufstehen, aber mit den richtigen Techniken wird es leichter. Schau dir hierzu meine Frühaufsteher-Challenge an, dort habe ich mein „Frühaufsteher-Werden“ dokumentiert.

Fazit

Ich hoffe dir einen groben Überblick über Stoizismus gegeben zu haben und dir einige Hilfsmittel für dein Leben aufgezeigt.

Hast du dich schon mit dieser Philosophie beschäftigt? Welche Lebensphilosophie hast du? Was gefällt dir an ihr besonders?

Schreibe deine Gedanken zu diesem Thema gerne in die Kommentare. Ich bin über unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen sehr interessiert. 😀

Schöne Grüße,

Michael

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